Philosophie

 

 Was wir lieben.

 

 

Frisch ist es, früh an diesem Morgen Ende Juli, als wir nur wenige Schritte hinter unserem wunderschönen Zuhause in den Wald abbiegen. Stella spitzt die Ohren, sie beobachtet mit gelassener Neugier, wie die Lichtstrahlen funkelnde Figuren auf Farnwedel pinseln.

Vögel zwitschern, der Wind streift sanft durch´s leuchtendgrüne Blättermeer. Meine junge Stute schnaubt zufrieden und wir genießen die Ruhe, fernab von allem, was uns antreiben könnte.

 

Breiter wird der Weg, den Hügel hinauf. Und wie von selbst wechseln wir in einen lockeren Trab.

Nach einiger Zeit, hinter einer Kehre, öffnet sich der Wald und wir reiten durch Weizenfelder, sonnengelb, bis zu unserem liebsten Aussichtspunkt. Auf dem Balkon der Pfalz.

 

Wir halten an. Auch diesmal scheint es mir, als ob sie sich - genau wie ich - nicht sattsehen kann, an unserem Blick.

Felder, Wald und Wiesen bleiben hinter uns zu beiden Seiten. Und vor uns ergießt sich die Vorderpfalz bis zur Rheinebene. Weinreben so weit wir blicken können. Eingetaucht in Sonnenlicht. Zypressen. Obstwiesen.

Hier und da triebige Ameisen. In Autos. Traktoren. Bussen.

Und Grün. Grün und Licht so weit das Auge reicht. 

 

Über all dem stehen wir. Ganz still.

"Lass die mal rennen, da unten,"sage ich zu ihr, "wir haben heute frei."

 

So  kehren wir ein Stückchen um. Tauchen wieder ein, in den Wald und suchen uns ein Ziel, zu dem wir uns treiben lassen können. Den schönen Picknickfelsen mit dem satten Gras davor. Den Seerosensee, der ungeheuer schön und ungeheuer still sein kann. Die Laurahütte, die uns vor Wind und Wetter schützt, wenns gerade mal nicht Ende Juli ist. Wir essen die beste Bockwurst der Pfalz und behalten vorerst für uns, woher wie sie bekommen. Mal treibt es uns zur Isenach und weiter noch, zum Eiswoog. Wir entdecken Brunnen, steile Pfade, tief durchwurzelt und lange, sanft ansteigende Galoppstrecken, mit flachem Sandboden zum sorgenfrei flitzen. Wir streifen Burgen und rasten unter Linden. Wir treffen Menschen, freundliche, schnaufende, mit Stöckchen, mit Hündchen, mit Kind und Kegel - wenn wir wollen. Wenn nicht, sind wir stundenlang allein. Und frei.

 

An anderen Tagen kehren wir nicht um. Dann nehmen wir den langgezogenen Weg nach unten, kreuzen die Landstrasse, flanieren durch Dörfer, dass das Klappern der Hufe von den Mauern schallt. Wir blicken neugierig in Fenster, winken zurück und klopfen bei unserem Lieblingsbäcker in Freinsheim an. Einen Kaffee für mich und einen "Vize" für Stella gibt es da immer. Manchmal teilt sie ihn mit mir. Aber lieber nicht. Aus dem Dorf heraus geht es hinauf zum Friedhof, dessen jahrhundertealte Grabsteine wahre Schmuckstücke sind. Und dahinter: Wein. Obst. Sonnenblumenfelder. Wiesengras, bauchkitzelhoch.

Reben in Reih und Glied, die im Herbst in allen Farben leuchten und Vorfreude machen auf Nebeltage und kalte Finger. Wir essen uns satt an Äpfeln und Zwetschgen und mopsen, was wir kriegen können. Wenn wir unsere Galoppstrecke vergessen, bevor wir im Obst sind, dann wird das heute nichts. Wir sind beladen und zockeln behäbig voran, wie zwei alte Wurzelweiber.

 

Wir atmen ein. Und schnauben aus. Lassen die Seele baumeln. Sie und ich. Bis es uns nach Hause zieht.

Ein bisschen müde.  Aber nie erschöpft.

 

Das ist es, was wir lieben.

 

Draußen macht glücklich.

Reiten sowieso.

Und Glück wird immer immer immer größer, wenn man es teilt.

 

Wir teilen es gern. Kommst du mit...?

 

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© Simone Steinmann, Wald und Wein